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Geschichte

Der Verpackungsjournalist Guido Durisch gründete Pack aktuell im Jahr 1983. Er war bis zum Verkauf der Zeitschrift an die LZ Medien Holding im April 2001 deren Eigentümer und Herausgeber, bis zum Juli 2000 auch Redaktionsleiter. Zum 20-Jahr-Jubiläum blickte Guido Durisch auf die Anfänge der Zeitschrift zurück. Seinen Rückblick finden Sie nachfolgend im Wortlaut. Der Beitrag erschien in der Jubliläums-Ausgabe von Pack aktuell am 1. Dezember 2003


Gross die Sympathie, aber noch grösser die Skepsis.

Der Chefredaktor von Pack aktuell bat mich, aus Anlass des 20-Jahr-Jubiläums etwas über die Anfangszeiten dieses Fachmagazins zu schreiben, schliesslich sei ich der Gründer gewesen. «Nenne kurz die Gründe, die zur Gründung geführt haben, schildere die Startphase des neuen Fachorgans und schreibe vielleicht etwas über die Anfangsprobleme», präzisierte Joachim Kreuter die mir gestellte Aufgabe und fügte bei: «Erzähle doch einfach, wie es war.»

Initialzündung an der Swisspack
Das tue ich. Die Bitte «erzähle» wird erfüllt: Ich erzähle den Anfang der Geschichte von Pack aktuell. Der geht so: Der Impuls, eine dritte Schweizer Verpackungsfachzeitschrift zu gründen, kam von aussen, genau gesagt von einem Packmittelhersteller. Die Idee wurde am 15. März 1983 im Laufe des Nachmittags geäussert. Am Morgen war in Basel die 6. Swisspack eröffnet worden (die Swisspack war die Vorgängerin der Pack it bzw. der Mavex). Ich war frühzeitig in den Messehallen und besuchte die Aussteller als Redaktor der Verpackungsbeilagen der Schweizer Handels-Zeitung. Im Laufe der ersten Messestunden wurde an den Ständen verschiedentlich massive Kritik an den beiden damals etablierten Verpackungsfachzeitschriften geübt. Beide wurden als schwer beladene Werbeträger, aber schmalbrüstige Informationsträger apostrophiert. Ihnen wurde die Fachkompetenz abgesprochen und fehlendes Engagement für die Interessen der Branche vorgeworfen. Im Laufe des späten Nachmittags stiess ich erneut auf eine aufgebrachte Gruppe. Und plötzlich richtete einer der Aufgebrachten die Frage an mich: «Herr Durisch, weshalb gründen Sie nicht eine neue Verpackungszeitschrift, eine, die pünktlich erscheint und fachlich kompetent redigiert ist? Eine solche hätte Erfolg.» Ich war perplex. Und die anderen in der Runde auch. An den weiteren Verlauf des Gesprächs erinnere ich mich nicht mehr. Am letzten Messetag traf ich aber den Fragesteller nochmals und er wiederholte seine Frage und fügte noch hinzu: «Wenn Sie es nicht tun, aus welchen Gründen auch immer, wird es ein anderer Verlag tun. Dafür werde ich sorgen.» Ich versprach ihm Bescheid.

14-täglich statt monatlich
Bescheid gab ich ihm allerdings erst Anfang September. Ich traf ihn und legte ihm ein schriftlich formuliertes Konzept samt Layout für ein neues Verpackungsmagazin vor. Das schriftliche Konzept mochte er nicht lesen. So erklärte ich es ihm. Es werde eine ganz neue Art von Verpackungsfachzeitschrift sein, die ich zu gründen vorhabe. Die Redaktion werde Recherchierjournalismus betreiben, alles hinterfragen und, wo für nötig erachtet, kritisch beleuchten, auf alle Fälle anders über die Branche berichten, als bisher üblich. Er hörte aufmerksam zu und legte seine Stirne erst in Sorgenfalten, als ich anmerkte, die neue Zeitschrift werde Pack aktuell heissen und 14-täglich erscheinen. Seine Bemerkung dazu: «Den Namen finde ich nicht originell und die 14-tägliche Erscheinungsweise werden Sie nicht durchhalten können. Möglicherweise gefährden Sie damit sogar das Projekt.» Er sicherte mir aber trotzdem seine Unterstützung zu und gab mir auch gleich einen Inseratenauftrag für die ersten Ausgaben und für das Jahr 1984. In den folgenden Tagen kontaktierte ich weitere 20 Firmen und legte ihnen mein Projekt vor. Bei 19 von ihnen stiess es auf viel Sympathie, aber auf fast noch mehr Skepsis. Vor allem zweifelten die meisten von ihnen daran, dass ich das vorgelegte Projekt, so wie von mir vorgesehen, in einem 2-Personen-Verlag rea-lisieren könnte. Einige wenige boten mir Darlehen an, um einen grösseren Verlag zu gründen. Diese Angebote lehnte ich aber dankend ab, denn ich wollte redaktionell unabhängig bleiben.

Vom «Verpackungs-Blick» zur Nummer 1
Als am 1. Dezember 1983 die erste Ausgabe von Pack aktuell erschien, war sie in der Branche nicht die grosse, von mir erhoffte Überraschung. Sie schlug nicht wie eine Bombe ein. Zu viel war während der Planungs- und Vorbereitungszeit durchgesickert. Zum Teil bis zur Konkurrenz. Die grosse Überraschung war aber der neue Stil: unkonventionell, unkompliziert, direkt in der Aussage, kritisch in den Kommentaren. Bisher war man in der Branche nicht gewohnt, dass eine Fachredaktion rückfragte, nachhakte, etwas in Frage stellte oder gar etwas kritisierte. Dies war ein Novum. Der neue Stil, die jeweils brandaktuelle Berichterstattung sowie der angewandte Recherchierjournalismus trugen schon nach wenigen Monaten dem neuen Fachorgan den Übernamen «Verpackungs- Blick» ein. Beleidigt war ich wegen dieses Übernamens aber keineswegs. Ich betrachtete ihn mehr als Werbung denn als Schelte, war doch die Boulevardzeitung «Blick» vermutlich schon damals die meistgelesene Tageszeitung der Schweiz. Und so auch Pack aktuell unter den Verpackungszeitschriften.

Die Zeit der Schlagzeilen
Für eine Verpackungszeitschrift, welche die Aktualität ganz dick auf die Fahne geschrieben hatte, kamen aber auch die Ereignisse jener Zeit sehr entgegen. Es war die Zeit der Schlagzeilen. Die Ereignisse überschlugen sich: Einführung von PVC-Flaschen für Mineralwasser; Verbot von PVC für kurzlebige Verbrauchsartikel, also auch für Verpackungen; Ablösung der PVC-Flaschen für Essig und Speiseöl durch PET-Flaschen; die Einführung der ersten PET-Flaschen für Mineralwasser; die Einführung der Kehrichtsackgebühr; die Kontroverse um die FCKW-haltigen Treibgase für Spraydosen; die Veröffentlichung der Ökobilanzen für Packstoffe - dies als kleine Auswahl der Ereignisse in der Anfangsphase von Pack aktuell. Weiteren Stoff für Schlagzeilen boten die Diversifikationsmeldungen der Grossfirmen, die Übernahmen, die Fusionen, die Expansionspläne. Die 14-tägliche Erscheinungsweise wurde nicht zur Belastung für das Blatt, sondern zu seiner Stärke. Diese Stärke führte dazu, dass die neue Fachzeitschrift spätestens ab 1986 als die Nummer eins unter den Dreien galt. Sogar die Konkurrenz räumte ihr diesen Platz ein, wenn auch nicht ohne Neid.

Das kleine Geheimnis
Es war nicht allein die Möglichkeit der brandaktuellen Berichterstattung, die zum raschen Vorstoss auf Platz eins führten. Es gab da noch ein Erfolgsgeheimnis. Und das lüfte ich erst jetzt. Sieben Packstoff- und Packmittelhersteller hatten mir einige Wochen vor dem Start ihre Kundenadressen kostenlos zur Auswertung zur Verfügung gestellt. Diese erwiesen sich als die wertvollste Starthilfe, gab es doch unter den vielen Adressen keine «Nieten», kein einziges Exemplar wurde von der Post als «Adressat umgezogen», «Firma erloschen» oder «Adressat verstorben» zurückgesendet. Zudem trug keine Anschrift nur den Firmennamen, sondern immer auch einen persönlichen. Die versandten Exemplare erreichten die richtigen Firmen und in den Firmen die richtigen Personen. Das war wohl einer der wichtigsten Gründe für den raschen Erfolg. Der zweite: Viele der regelmässigen Leser wurden auch regelmässige Informanten der Redaktion. So kam ein Fluss von Informationen und Aktualitäten in Gange, wie man ihn besser nicht hätte wünschen können.

Steil und steinig der Weg
Die erste Wegstrecke war aber trotz des Anfangserfolges steil und steinig. Das Erscheinen des neuen Blattes hatte nämlich die beiden Etablierten aus dem Dauerschlaf geweckt und die Redaktionen zu mehr Eigenleistung angespornt und die Anzeigenverkäufer zu mehr Dynamik. Doch aufzuhalten war der Aufwärtstrend des Newcomers nicht mehr: Ab 1989 stieg zum Glück nicht nur der Weg steil an, endlich auch die Umsatzkurve, endlich kam das Blatt in die Gewinnzone. Rückblickend darf ich sagen, dass der Start leichter war als die Konsolidierung, dass es aber auch bei steilen Wegstrecken immer Blumen am Wegrand gab, Blumen in Form von Zustimmung und Anerkennung. Noch im Ruhestand denke ich gerne an die Anfangszeit von Pack aktuell zurück, vor allem aber auch an den, der den Impuls zu seiner Gründung gegeben hat, sowie an die, die von Anfang an das Projekt, in welcher Form auch immer, unterstützt und Starthilfe gegeben haben. Namen nenne ich keine. Es waren ihrer viele. Und jenen, die Pack aktuell kritischer Äusserungen wegen die Unterstützung und mitunter sogar die Insertionsaufträge gekündigt haben, habe ich längst verziehen. Das Alter stimmt den Menschen milde.


Guido Durisch


Nachbemerkung: Die von Guido Durisch erwähnte  Schweizer Verpackungsmesse Swisspack und deren beide Nachfolgemessen Pack it und Mavex heisst seit 2008 Pack & Move. Die von Guido Durisch erwähnten beiden Verpackungszeitschriften, die es zurzeit der Gründung von Pack aktuell gab, wurden mittlerweile eingestellt:  Die 1944 gegründet Verpackung im Dezember 2003, die 1949 gegründete Tara, ab 2008 Packmag, im November 2010. PA